{"id":5808,"date":"2022-06-06T12:09:23","date_gmt":"2022-06-06T10:09:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/?p=5808"},"modified":"2022-06-09T01:49:43","modified_gmt":"2022-06-08T23:49:43","slug":"gedicht-das-sich-dem-laerm-entzieht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/?p=5808","title":{"rendered":"Gedicht, das sich dem L\u00e4rm entzieht"},"content":{"rendered":"<blockquote class=\"\">\n<div class=\"\">\n<div class=\"WordSection1\">\n<div class=\"\">lautet der Titel einer sehr sch\u00f6nen Rezension, die Henry-Martin Klemt f\u00fcr die MOZ \u00fcber unseren Band &#8222;Tanz auf Distanz&#8220; von Carmen Winter geschrieben hat:<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"\"><\/div>\n<div class=\"\">Schon der Umschlag von Carmen Winters Gedichtband \u201eTanz auf Distanz\u201c atmet Zeitlosigkeit mit seinem hoffnungsgr\u00fcnen Linolschnitt von Roland R. Berger. Offen eher zur Vergangenheit hin als zum Kommenden. Keine Zukunftsmusik ist es, zu der das stilisierte Paar sich bewegt. Zeit gelassen hat sich auch die 1963 in Wriezen geborene Autorin mit dieser Sammlung und wie sie selbst sagt, ist es eine Zeit, die sie hinter sich gelassen hat. Doch all dies macht ihre Gedichte nicht weniger hiesig. N\u00fcchtern sind die Kapitel des Buches benannt: Selbstportrait, Liebe, Pflanzen und Tiere, M\u00fctter und T\u00f6chter, Was war. Das Gedicht ist kein Ort des Schwelgens, nicht in Sehnsucht und Verhei\u00dfung, nicht in Erinnerung. Eher ein Raum der Vergegenw\u00e4rtigung, im dem sich auch die Br\u00fcche zusammenziehen, Muster bilden, Lebenslinien. Um diesen Raum herum ist alles m\u00f6glich. In ihm zeigt die Dichterin sich in disziplinierter, zuweilen fast asketischer Strenge. Der Buchtitel offenbart sich als poetisches Credo. Das hat vor Carmen Winter bereits die Dichterin Eva Sch\u00f6newerk formuliert: Der Poet urteilt nicht, der Poet sieht und h\u00f6rt. Carmen Winter sieht sich im Auftaktgedicht, das zu ihren sch\u00f6nsten geh\u00f6rt, als Kiesel, der vom Fluss zum Sandkorn geschliffen wird, bis auch das verschwindet. Sie wei\u00df, dass dem nicht zu entkommen ist: \u201eDie Zeit hat mich eingeholt \/ und zwischen die Zeiger genommen\u201c (Intermezzo). Aber auf ihrer Lebensreise sp\u00fcrt sie \u201eden Fahrtwind der Planeten\u201c (rauschen). Und sie hat den Werkzeugkasten der Poesie bei sich: \u201eIn meinem Koffer sind W\u00f6rter: \/ Schilf, Demut, Augenblick\u201c (In meinem Koffer). Daraus entstehen Gedichte, die sich selbst und die Lesenden dem L\u00e4rm entziehen. Sie weisen, so sehr sich das Ich in ihnen behauptet, auf Archetypisches hin, Schichtungen, die freigelegt, Metamorphosen, die offenbart, Kreise, die ausgeschritten werden. Immer geschieht das in sinnlichen Bildern. Dabei bleibt die Skepsis wach sich selbst gegen\u00fcber. Ern\u00fcchterung, selbst Entt\u00e4uschung werden verinnerlicht, aber kaum freigelassen. Da ist nichts, das nach Aufmerksamkeit heischt, nichts, das bereit w\u00e4re, einen Mythos des Weiblichen zu bedienen. Was die Frau, die Dichterin sichtbar macht, ist ihre Verwandlungskraft, durchaus lustvoll irritierend, wenn Liebe ins Spiel kommt, vielleicht auch die Kunst, \u00fcberhaupt nicht zuf\u00e4llig dem Impuls der Nebendinge, des Details, des vermeintlich Unwichtigen zu folgen. Und dass diese Verse K\u00f6rpertemperatur haben, geh\u00f6rt vielleicht auch dazu. Ob sie uns w\u00e4rmen, hei\u00df machen oder abk\u00fchlen, liegt vollkommen bei uns.<\/div>\n<div class=\"\">Henry-Martin Klemt<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>lautet der Titel einer sehr sch\u00f6nen Rezension, die Henry-Martin Klemt f\u00fcr die MOZ \u00fcber unseren Band &#8222;Tanz auf Distanz&#8220; von Carmen Winter geschrieben hat: Schon der Umschlag von Carmen Winters Gedichtband \u201eTanz auf Distanz\u201c atmet Zeitlosigkeit mit seinem hoffnungsgr\u00fcnen Linolschnitt von Roland R. Berger. Offen eher zur Vergangenheit hin als zum Kommenden. Keine Zukunftsmusik ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"image","meta":[],"categories":[260],"tags":[228,226,147,247],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5808"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5808"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5810,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5808\/revisions\/5810"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.edition-schwarzdruck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}